bittersüß – die Therapie
bittersüß – die Therapie
Seit mehr als 7 Jahren begleitet mich dieses wichtige Thema. Anfangs war es eher ein Tabu Thema, etwas, was ich am liebsten verschwiegen hätte. Ich dachte, dass meine Mitmenschen mir förmlich ansehen können, dass ich dadurch voll die Macke habe. Mittlerweile bin ich sehr dankbar für diese Möglichkeit, eine Gesprächspartnerin zu haben, die eine ganz andere Sichtweise auf die Dinge hat, als ich. Es hilft mir, Lösungswege für meine Probleme anzugehen und zu lernen, mit Situationen umzugehen.
Mir ist durch die Therapie bewusst(er) geworden, dass wir andere nicht ändern können; und auch nicht alle Umstände. Es liegt nicht alles in unserer Hand. Und das, was in unseren Händen liegt, können wir Stück für Stück angehen. Beobachten, wie es ist, zu hinterfragen und dann bestenfalls zu lernen. Anfangen, etwas anders zu tun, um step by step dem näher zu kommen, was uns guttut (auch wenn es manchmal erst echt dolle weh tut). So heilen wir doch, oder?
Therapie bedeutet Heilsamkeit
Therapiestunden, brauch ich die wirklich?
Als ich mit der Therapie begonnen habe, war ich zurückgezogen, ängstlich und sehr in mich gekehrt. Ich fand das auch sehr komisch, mit 13 da zu sitzen und zu denken, ich bin irgendwie die einzige in meinem Umkreis mit so einem Problem. Mir wurden die Stunden erst nach meinem Klinikaufenthalt verschrieben, sodass ich da weiter anknüpfen konnte, nachdem es erst akut war. Die Bulimie hat sich irgendwie eingeschlichen und ich wollte es loswerden, wusste aber nicht wie. Und so begann dann meine Behandlung, nachdem ich mich auf die Suche nach einer für mich passenden Therapeutin gestartet habe. Bei der dritten Therapeutin habe ich mich dann wirklich wohl gefühlt und konnte mir vorstellen, mich zu öffnen. Das ganze Prozedere, das dann bei der Therapie ans Licht kam, ist einfach Wahnsinn. Ich hab mir davor nie Gedanken darüber gemacht, vor allem nicht in meiner Tennie-Zeit. Ich dachte, ich habe einen Knacks und kann mich einfach nicht kontrollieren. Nach vielen Sitzungen, die nicht so abgelaufen sind, wie viele sich eine Therapiestunde vorstellen, bin ich meiner Heilung ein paar Schritte näher gekommen. Als Außenstehender, der damit noch nie in Berührung gekommen ist, meint man vielleicht, dass es da einen bestimmten Weg gibt und der Therapeut einem die Lösung einfach auftischt. So läuft das ganze nur nicht – es gibt nicht für alle Personen ein universelles Patentrezept. Auch die Therapieform kann ganz unterschiedlich sein, in meinem Fall Verhaltenstherapie, in anderen ist es Ergotherapie, Musiktherapie,… Das Wichtigste ist erstmal, eine Fachkraft zu haben, die man auch als Hilfe sehen mag und mit der Zeit eine Vertrauensbasis da ist. Das ist nämlich vertrauensvolle Arbeit, die man gemeinsam angeht. Wenn es nicht so ist, und das habe ich in ein paar Sitzungen erfahren, fühlt man sich danach echt komisch. Ich hatte Bauchweh und habe mich gefühlt, als wäre mein Problem irgendwie lächerlich. Ich habe es zum Glück recht schnell bemerkt und mir ist schnell klar gewesen, dass ich mich eher komplett verschließe. Die Suche für die richtige Person lohnt sich daher sehr, auch wenn das mehr Wartezeit in Anspruch nehmen kann. Bei meiner Therapeutin habe ich schnell gemerkt, dass ich in erster Linie keine Versagerin bin, obwohl ich das davor wirklich dachte. Klar hatte ich so einiges nicht im Griff, unter anderem meine Bedürfnisse und Gefühle zu benennen und ihnen auch Berechtigung zu gewähren. Meine Methode war grundsätzlich, diese einfach zu unterdrücken. Ich dachte, es wäre das Einfachste. Der Geist und Körper meldet sich irgendwann ganz deutlich, dass etwas nicht stimmt. Ich habe gelernt, mit mir gnädig zu sein und zu akzeptieren, dass manche Dinge so sind, wie Sie eben sind. Und das erstmal so hinzunehmen kann ganz, ganz schön wehtun. Therapie bedeutet auch, Leid zu sehen und sich damit zu konfrontieren, was dann mal echt bitter schmecken kann. Die ein oder anderen Stunden fließen Tränen, was auch ziemlich befreiend ist, wenn wir ehrlich sind (Ich dachte vorher, schwache Leute weinen einfach und dass ich ja nur sehr nah am Wasser gebaut bin). Dass da Gefühle raus fließen, war mir nicht bekannt. Das kam dann alles mit der Zeit, mit der ganzen Arbeit und dem loslassen. Es tut so gut, rauszulassen, was in einem drin ist – sich zu öffnen und zu wissen, dass man dann nicht fällt. Diese Erleichterung schmeckt süß. Da sitzt jemand gegenüber, der dafür Raum schafft und das nicht komisch findet. Stattdessen reicht dir jemand die Hand und fragt dich Dinge, die dich womöglich noch nie jemand gefragt hat. Man lernt seine Verhaltensmuster besser kennen, seine Trigger und somit die Bedürfnisse, die dahinterstecken. Es ist nicht von heut auf morgen getan, sondern es ist mit Aufwand verbunden, der eine Überwindung kosten mag und Geduld – in allererster Linie mit sich selbst. Und das ist ein heilender Prozess, den man da angeht und anstrebt. Das, was meist so tief in uns verwurzelt ist, was nicht nur wir, sondern auch unsere Generationen davor nicht loslassen konnten, da arbeiten wir uns durch. Es ist nicht so wie bei einem Knochenbruch, der dann einmal verheilt und das Thema durch ist. Sondern etwas, was immer wieder Mut braucht, denn es gibt immer wieder (neue) Trigger und schwierige Situationen im Leben, sodass manches wieder hochkommt. Deshalb hab ich nach ein paar Jahren erneut eine Therapieplatz gesucht, um damit umzugehen. Insbesondere in der Schwangerschaft, wo mir klar war, dass sich körperlich und mental so viel ändert und ich mich etwas überfordert gefühlt habe. Deshalb bin ich dankbar dafür, wenn mir jemand einen Tipp gibt, der mir bei der Umsetzung hilft. Manchmal ist es nur ein Satz, der die Perspektive eines Problems so wechselt, dass man einen Ausweg hat, statt hilflos dazustehen. Wie eine Hausaufgabe, die man mitbekommt, die man im Leben dann zu lösen versucht. Und wenn es dann klappt, ist das echt cool und man kann das neue Tool nutzen und probieren, es in die Tat umzusetzen. Bis zum heutigen Tag frag ich mich manchmal auch, warum es mir (und womöglich anderen auch) so schwer fällt, es umzusetzen, wenn man ja eigentlich weiß was das Problem ist. Aber um da nicht wieder in einem Haufen Fragen zu schwimmen mit schlechtem Gefühl, freue ich mich mittlerweile auf meine Therapiestunden, die mich weiterbringen. Kleiner Tipp am Rande: Zu denken, man “braucht/verdient” die Therapie nicht, weil es jemand anderem ja “schlechter” geht, ist bullshit. Es ist nicht nur okay, sondern wirklich notwendig, dass wir sprechen, wenn uns was auf dem Herzen liegt, was uns beschäftigt und schwer auf den Schultern liegt. Da gibt es jemanden, der dir ehrlich zuhört und keine andere Rolle spielt, außer dir zu helfen – also go for it 🙂
7 Dinge, die ich während der Therapie gelernt habe
1. mich zu öffnen
2. ehrlich zu mir zu sein
3.Gefühle loslassen & benennen
4. Verhaltrnsmuster und Trigger zu (er)kennen
5. akzeptieren, dass man manches nicht ändern kann
6. Lösungswege finden und angehen
7. Sich über Fortschritte und Erfolge freuen (und stolz darauf zu sein)
Mir liegt das Thema sehr am Herzen, insbesondere aus dem Grund, dass ich da sehr daran gewachsen bin.
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☀︎ In Liebe, Eva